Interview mit Moti Theresia König

Interview mit Moti Theresia König im Lichtnetz-Magazin 1/1999

Was ist Tantra?

Tja, Buddho, wer soll das beantworten?! Tantra ist so viel! Aber, um’s kurz zu fassen: Tantra ist eine Verbindung und Verschmelzung von Sex, Herz und Spirit, die jeder Mensch erreichen kann.

Moti 1993

Moti 1993

Im Zusammenhang mit Tantra sprechen wir immer von der Transformation sexueller Energie in feinere Energiearten. Das heißt nicht etwa, dass sexuelle Energie ‘unfein’ oder weniger wert ist. Im Gegenteil: Sexuelle Energie ist die treibende Kraft des Universums, ist die Kraft, die neues Leben zeugt. Und wenn Du fragst, was ist Tantra, dann muss ich ergänzen: Tantra ist ein Weg, auf dem wir sagen: Sexuelle Energie ist unser Feuer, und wir wollen es nutzen, um vielleicht irgendwann einmal zu erwachen.

Es wäre aber natürlich absurd zu denken: “Toll, wenn das so ist, dann lebe ich ‘mal meine sexuelle Energie aus und warte dabei auf das Erwachen.”

Aber das hat dann wenig mit Tantra zu tun. Der Wortsinn von Tantra ist ja ‘Expansion’ und ‘Verweben’. Um unsere sexuelle Energie im ganzen Körper verteilen zu können, um sie magisch nutzen zu können, zur Realisierung von Visionen und um den Zustand der Glückseligkeit zu erleben, sollte man allerdings den eigenen Körper erstmal genau kennenlernen. Im Tantra ist unser Körper der Tempel unseres Bewusstseins. Körper und Bewusstsein werden im Tantra nicht voneinander getrennt. Also heißt es in unseren Seminaren und Trainings: Wir schauen erstmal, wie wir dem Körpertempel mehr Freiheit geben können, mehr Raum für Ausdruck, wie er seine Lebensfreude wieder genießen kann, wie er Heilung bekommt und vor allem, wie er im Augenblick entspannen kann. Ach ja, man könnte auch sagen: Tantra ist gelassene Entspannung im Zustand höchster Erregung. Zu diesem Thema könnte meine Partner Arish viel sagen. Seiner Meinung nach könnte man sagen: Tantra ist, das Leben total zu genießen, ohne gierig zu werden.

Wie kamst Du zum Tantra und wie wurdest Du ausgebildet?

Es begann mit einem ganz schönen ersten Kontakt. Ich wohnte mit einem Mann zusammen, der ständig Frauenbesuch hatte. Er schleppte dann rote Tücher auf sein Zimmer und Teller mit Früchten. Die Atmosphäre war voller Liebe und Geheimnis und Magie. Dieser Mann hat mir Tantra empfohlen. Ich habe dann tantrische Erfahrungen gesammelt, mit Männern, die Zeit hatten, auch Zeit für Zärtlichkeit, sie waren kraftvoll und gleichzeitig behutsam, immer bewusst, still im Sex und nie klebrige Liebhaber.

Moti 1993

Moti 1993

Und da wusste ich: Es ist was dran, am Tantra. Es ist ungefähr 15 Jahre her, als ich zum ersten Mal in eine Tantra-Gruppe ging, und ich erinnere mich noch genau an das Gefühl, dass ich damals hatte: “Es ist, wie nach Hause kommen.”

Jetzt alle Ausbildungen aufzuzählen, ist Quatsch. Wichtig – und ich möchte allen danken – sind mir meine Lehrer. Dazu zählt natürlich Osho, dann Margo Anand. Ich habe viele tibetische Sichtweisen gelernt durch die fünfjährige Ausbildung bei Dr. Julie Henderson. Und ich habe die Sichtweise von denjenigen kennengelernt, die noch ganz nah der universellen Ekstase sind, die Sichtweise on Kindern nämlich. Davon habe ich zwei: Milan und Ramon.

Allerdings muss ich auch sagen: Techniken kann man lernen, Tantra-Lehrerin zu sein, nicht. Da zählt dann die persönliche Intuition, Wahrhaftigkeit und Tiefe.

Was sind Deine Beweggründe, diese Arbeit mit Menschen zu machen?

Diese Arbeit ist mein Beitrag auf dem Weg zu einem Weltfrieden. Also, wenn ich in meinem Inneren dem Frieden nahe komme, wird das äußere System sich auch entsprechend ändern.

Moti 1991

Moti 1991

Ich glaube, dass wir keine Kriege mehr hätten und die Weltpolitik ganz anders wäre, wenn alle hohen Politiker nur ein einziges Mal eine tantrische Erfahrung gemacht hätten. Tantra ist absolut positiv, ist absolut für das Leben in all seinen Facetten, auch den dunklen. Aber Tantra heißt auch: jedes Lebewesen zu ehren und ihm Respekt entgegenzu­bringen. Sich von Tantra inspirieren zu lassen bedeutet, sich der Liebe zu nähern. Diese Arbeit macht mir riesigen Spaß und große Freude, weil ich Erfahrungen weitergeben kann. Ich bin ja auch nicht als Tantrika auf die Welt gekommen. Ich habe viele traumatische Erlebnisse in meiner Kindheit und Jugend gehabt. Und – ich konnte sie heilen, dank Tantra und der Menschen, die mich professionell begleitet haben, so wie ich jetzt seit zehn Jahren andere begleite.

In der esoterischen Szene wird Tantra immer noch mit etwas Unanständigem in Verbindung gebracht. Ist Tantra für die spirituelle Entwicklung wirklich notwendig?

Erstmal zur zweiten Frage. Nein, natürlich ist Tantra nicht ‘notwendig’! Genau sowenig wie ein Edelstein, eine Therapie oder Religion notwendig für die spirituelle Entwicklung eines Menschen sind. Tantra ist aber ein großartiges Werkzeug, an das Juwel in Dir, an Deine Perle heranzukommen. Du fragst: “Warum?” Ganz einfach, weil jeder Mensch schon ‘Buddha’ ist und alles, was er braucht, in sich trägt. Ist ja egal, ob wir ‘Buddha’ sagen, oder ‘Gott’. Wichtig dabei ist die Idee, dass wir schon alles in uns tragen. Lediglich der Zugang ist vielleicht ein wenig verschüttet. Und im Tantra öffnen wir den Zugang wieder. Und sogar mit Spaß, Freude und Lachen.

Und zu Deiner einleitenden Bemerkung: Schade, dass es Menschen gibt, die so denken. Aber Vorurteile und Ressentiments hat es schon immer gegen Tantra gegeben. Ein Grund ist sicher, dass im Tantra persönliche Freiheit besonders groß geschrieben wird, ein anderer ist natürlich, dass es eben Vorurteile gegen ‘sexuelle Energie’ gibt. Diese Energie zu entwickeln, führt im Tantra nicht zu Orgien. Es ist schade, wenn Anbieter von Tantra-Gruppen sich nur auf Sex konzentrieren. Ich bin froh, dass es ebensoviele Seminaranbieter gibt, die durch ihre Erfahrung wissen: Tantra ist mehr als Sex. Tantra beginnt weit davor und geht weit darüber hinaus.

Was sind Deine Ziele in der tantrischen Arbeit?

Tantra-Lehrerin zu sein und sich ein Ziel zu setzen, schließt sich eigentlich aus, denn Tantra kennt keine Ziele. Mir ist wichtig: “Walk your Talk!” Ich habe den Anspruch an mich selbst, die Dinge, die ich lehre, auch zu leben. Ein anderer wichtiger Aspekt ist, dass Dinge, die ich in meinen Seminaren vermittle, dem Wohl aller dienen sollen.

In den Workshops und Trainings versuche ich, soviel Raum zu kreieren, dass man die Wahrhaftigkeit des Augenblicks erfahren und leben kann. Dann, ganz wichtig: Wie kann ich in Liebe, Freiheit und Entspannung sein und dabei ohne Ziel?! Siehst Du, da ist es wieder, das ‘Nicht-Ziel’! Ich glaube auch, daß mit dem Wechsel in das kommende Jahrtausend Tantra immer wichtiger wird. Denn Tantra unterstützt die Menschen dabei, Trennungen aufzulösen, die Vereinigung aller Seins-Aspekte zu erleben und Bewertungen gehen zu lassen.

Welche Arbeit bietest Du an?

Moti 1994

Moti 1994

Je mehr wir darüber reden, desto weiter entzieht sich Tantra unserem Fassungsvermögen. Je dichter Du rangehst mit Fragen und Antworten, desto verschwommener wird das Bild. Aber wenn Du es erlebst, dann ist Tantra total präsent.

Ich und mein Partner Arish bieten Tantra-Seminare bundesweit an. Für Einsteiger eignen sich die Tantra-Abendtrainings, mit sieben Abenden, und die Einführungswochenenden. Dann bieten wir spezielle Seminare für Frauen und Männer an. Etwas ganz Besonderes sind natürlich unsere Tantra-Feste zu Ostern und Silvester, dann ein ausführliches Training mit insgesamt 28 Seminartagen und das Seminar für Paare “Die Perle der Liebe”.

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